Ein Tag in Cortona

Vorwort

Cortona mit seinen vielen Labyrinthartigen Gassen voller Boutiquen, Restaurants und Läden wird euch begeistern, weil dort eine urige Stimmung herrscht. Man fühlt sich regelrecht ins Mittelalter versetzt. Und ich verspreche euch, bei nur einem Cappuccino wird es hier nicht bleiben… 

Aber, damit ihr nicht, wie so viele andere Besucher, die eigentlichen Schönheiten dieser lebendigen Kleinstadt überseht, zeige ich euch anhand eines kurzen und eines etwas längeren Spaziergangs, wie ihr Cortona, das zu den ältesten Dörfern Italiens zählt, wirklich genießen könnt.  

Anfahrt

Das malerische Städtchen Cortona imponiert schon von Weitem, denn es liegt im Hang des Monte San Egidio, auf einer Höhe von 494 bis 650 Metern. Die Stadt wurde auf vier natürlichen Terrassen erbaut und scheint zu jeder Tages- und Nachtzeit von der Sonne angestrahlt zu werden.

Cortona, seine Kirchen und ganz oben die Fortezza Girifalco

Cortonas mittelalterliche Häuser sind umgeben von den Resten einer etruskischen Stadtmauer, die noch 6 gut erhaltene Stadttore vorweist.

Die Zufahrtsstraße nach Cortona, die sich durch Olivenhaine und Weinberge schlängelt, vorbei an Villen, Bauernhöfen und Klöstern, führt noch vor Erreichen der Parkmöglichkeiten, am Fuße des Berges zur einsamen, aber imponenten Kirche Santa Maria delle Grazie al Calcinaia mit ihrer mächtigen Kuppel. Sie wurde 1484-1515 aus Ziegel– und Sandstein an der Stelle eines hier gefundenen wundertätigen Madonnenbilds gebaut. Leider sind aufgrund der bröckeligen Bausubstanz kaum noch Verzierungen an der Aussenseite zu erkennen. Dank eingehender Restaurierung sind ihre schönen Glasfenster im Innern, sowie das über dem Hochaltar im Tabernakel eingefügte Madonnengemälde für Kirchenliebhaber durchaus einen Besuch wert.

Ihr fahrt nun noch 2-3 Kurven weiter und seht dann schon die ersten Parkplätze unterhalb der Stadtmauern.

Parken

Bitte nutzt die Parkplätze außerhalb der Stadtmauern, denn das Centro Storico ist für Nichtanwohner gesperrt (ZTL – zona traffico limitato).

Eine andere gute Parkmöglichkeit bietet der kostenlose Parcheggio dello Spirito Santo, von dort kann man mit einer Rolltreppe das historische Zentrum bequem erreichen.

☛ Achtung: Alle Parkplätze werden regelmässig kontrolliert.

Ein Tag in Cortona kann heissen, ihr verbringt sehr viel Zeit in dieser wunderschönen Stadt oder ihr plant nur einen halben Tag, beides wird zu einem tollen Erlebnis!

Aussicht nach Süden, im Hintergrund der Lago Trasimeno

♦︎ Große Tour – ca. 90 min

☛ Ganz wichtig: Wasser nicht vergessen!

Als Startpunkt meiner großen Tour habe ich die Piazza Garibaldi gewählt, in der Annahme, dass ihr eine der Parkmöglichkeiten entlang der Stadtmauer nutzen konntet. Kurz vor Erreichen dieser Piazza könnt ihr übrigens noch kurz einen lohnenden Blick in die Kirche S. Domenico werfen, eine gotische, römisch-katholische Kirche aus dem 15. Jahrhundert.

Von der Piazza Garibaldi zur Piazza Repubblica

Sobald ihr euch auf der Piazza von der unglaublichen Aussicht über das Val di Chiana, bis hin zur Via Lauretana, dem Lago Trasimeno und sogar Castiglione del Lago, lösen könnt, schlendert ihr Stadt einwärts.

Fernsicht Richtung Monte Amiata

Über die Via Nazionale und ihren kleinen Boutiquen, Bars & Cafés gelangt ihr auf die Piazza della Repubblica mit dem Palazzo Comunale (Rathaus) und seinem Uhrenturm. Durch die Hanglage wirkt der Palazzo größer und mächtiger als er ist, auf seiner breiten, steilen Treppe tummeln sich Einheimische und Touristen. Wenn ihr Glück habt, erlebt ihr hier eine Hochzeit, dann gehört die Treppe dem Brautpaar ganz allein – oder aber es spielt dort eine Musikband. Im Rathaus kann man einen Ratssaal aus dem 13. Jahrhundert besichtigen.

Das schöne Rathaus

Gleich neben dem Rathaus steht der Palazzo del Popolo aus dem 14. Jahrhundert (hier residierte einst der Capitano del Popolo) und der Palazzo Passerini, in dem Papst Leo X  1515 bei seinen Besuchen zu wohnen pflegte. Heute werden Teile dieses Palazzo als Ferienwohnungen angeboten – und er steht zum Verkauf.

Samstags morgens wird die sonst so heitere Stimmung auf dieser Piazza durch den Wochenmarkt gedämpft, den ich euch nicht empfehle, weil nur Schundware angeboten wird.

Apropos einkaufen, die vielen kleinen Läden im Zentrum von Cortona bieten oftmals originelle, von Handwerkern angefertigte Objekte an, auch typische gastronomische Produkte kann man hier gut kaufen – es ist nur leider nicht immer alles ganz günstig…

Die Porta Santa Maria – eins der sechs Stadttore

Ihr spaziert jetzt rechts am Rathaus/ Palazzo Comunale vorbei und folgt der Via Roma. Die etruskische, gut erhaltene Porta Santa Maria wird euch magisch anziehen. Und vor dem Stadttor kann man sich schon wieder an einer schönen Aussicht erfreuen.

Mittelalterliche Häuser und Holzkonstruktionen

Nun lauft ihr ein kurzes Stück auf der Via Roma zurück, bis links die Gasse Vicolo Iannelli abgeht. Jetzt seid ihr im „richtigen“ Cortona, denn hier, in dieser schönen Gasse, könnt ihr mittelalterliche Häuser bewundern, die noch genauso aussehen wie damals.

Ihr nehmt die 2. rechts, den Vicolo Cilli, und biegt danach gleich wieder links in die Via del Gesù. Auch diese Gasse aus Steinplattenpflaster ist typisch für das mittelalterliche Cortona von damals, die oberen Stockwerke der Häuser bestehen noch aus Holzkonstruktionen.

Piazza Duomo

Ihr kommt zur Piazza del Duomo, wieder hat man einen phantastischen Panorama-Blick nach Norden, links befindet sich das Museo Diocesano, das sehr schöne Kunstwerke beherbergt (leider sind sie unterbelichtet). Und rechts steht der auf den Resten eines antiken Tempels gebaute Dom Santa Maria Assunta. Diese ehemalige Pfarrkirche aus dem 11. Jahrhundert ist äußerlich eher unscheinbar, das Innere wurde im Laufe der Jahre öfter umgestaltet, die Meinungen über diesen Dom sind unterschiedlich.

Aufstieg zur Basilica Santa Margherita

Unser nächstes Ziel ist die Basilica Santa Margherita, sie ist der Stadtheiligen von Cortona, einer ganz besonderen Frau, gewidmet. 

Santa Margherita

(Hier die Kurzfassung ihrer Geschichte: Die heilige Margherita von Cortona wurde 1247 in der Nähe von Perugia geboren und lebte mehrere Jahre in Montepulciano. Nach dem Tod ihres Geliebten, mit dem sie neun Jahre unverheiratet zusammenlebte, begab sie sich in die Obhut der Franziskaner in Cortona und lebte hier sehr zurückgezogen bis zu ihrem Tod.)

An der Piazza del Duomo beginnt ihr mit dem Anstieg zur Basilica Santa Margherita, einer beeindruckenden Kirche an einem ganz speziellen Ort.

Das heißt, ihr werdet in ungefähr 20 Minuten einen Höhenunterschied von 150 Metern bewältigen – es lohnt sich! Der Aufstieg auf diesem alten Weg mit einem grandiosen Panorama ist übrigens besonders am späten Nachmittag schön, wenn anschliessend die Sonne untergeht. Man sieht von hier oben den Lago Trasimeno und den Monte Amiata. Diejenigen, die diesen anstrengenden Abschnitt nicht auf sich nehmen wollen oder können – dürfen auch mit dem Auto bis zur Basilika fahren.

Die sterblichen Überreste der im Jahr 1728 heilig gesprochenen Santa Margherita ruhen in einem Grabmal mit silbernem Reliquienschrein in dieser Kirche. Das Innere der Basilika ist beeindruckend, tolle Farben, schöne Wandmalereien und viele historischen Gemälde. Die Einwohner Cortonas hängen sehr an dieser Kirche.

Beinahe ganz oben

Jetzt seid ihr schon einmal hier, also könnt ihr auch noch die 250 m bis zur Fortezza Girifalco bewältigen, einer im 16. Jahrhundert gebauten Festung , die die Wehrkraft der Stadt unterstützen sollte, wobei das Gelände als Abwehrstruktur eines viel älteren Ursprungs ist. Seit der Gründung der Regierung von Cosimo I dei Medici war Cortona bis zur Unterwerfung an Siena im Jahre 1555 ein wichtiger Militärort. 

Innenansicht der Burganlage

Die Festung ist nicht sehr beeindruckend, und schöner als das historische Gebäude ist wieder einmal das Panorama über das gesamte Val di Chiana.

Der Abstieg

Ausgeruht macht ihr euch jetzt auf Weg nach unten, an der Gabelung haltet ihr euch rechts und folgt der Via Santa Margherita (die linke Abzweigung heisst auch Via Santa Margherita). Diese mündet später in die Via San Niccolo, die euch zur gleichnamigen kleinen Kapelle San Niccolò führt. Diese schöne, nur zu Fuß erreichbare Kirche ist sehenswert, aber leider ist sie nicht immer geöffnet, wenn sie geöffnet sein sollte. (Ein Foto dieser schönen, kleinen Kirche könnt ihr im Text der nachfolgend beschriebenen „Kleinen Tour“ sehen.)

(In der Nähe von San Niccolò befindet sich übrigens die University of Giorgia. Nun muss ich es doch erwähnen, aber wahrscheinlich habt ihr ja sowieso schon festgestellt, dass Cortona überwiegend von Amerikanern besucht ist. Nachdem Frances Mayes´Bestseller „Under the Tuscan sun“ 1996 verfilmt wurde, kam ganz Amerika nach Cortona. Viele sind geblieben und so wundert es einen nicht, dass es mittlerweile auch eine US Universität in diesem Städtchen gibt. Die Autorin verbringt noch immer mindestens 5 Monate im Jahr hier und schreibt Bücher.)

Ihr spaziert über die Via S. Niccolo bis ihr an der T-Kreuzung rechts in die Via San Marco einbiegt; hier nehmt ihr die erste links (diese Gasse heisst auch Via San Marco) und spaziert so lange bergab bis ihr auf der Via Giuseppe Maffei landet. Ihr haltet euch links bis rechts der Vicolo del Fontanile abzweigt, der euch auf die Via Santa Margherita führt.

Rechts ab geht es wieder auf die Via Nazionale bzw. zur Piazza Garibaldi, dem Startpunkt unserer Tour. Welcome back!

♦︎ Kleine Tour – ca. 45 min

☛ Ganz wichtig: Wasser nicht vergessen!

Der erste Teilabschnitt bis einschließlich Piazza Duomo ist bei beiden Touren identisch. Aus Blog-technischen Gründen kann ich den Text nicht wiederholen und bitte euch daher, im o.g. Abschnitt der „Großen Tour“ die Anfangsbecshreibung zu lesen bis zur Piazza Duomo. Vom Dom aus geht die Strecke der kleinen Tour wie folgt weiter:

Ihr lauft von der Piazza Duomo zurück, überquert die Piazza Fraciolini und biegt links in den Vicolo del Teatro ein, der bald einen 90° Rechtsknick macht und an einer T-Kreuzung endet. Hier biegt ihr kurz links in die Croce del Travaglio ab und nehmt an der nächsten Kreuzung die 2. rechts: Via Giuseppe Maffei. Dieser Weg führt euch automatisch bis zur wirklich sehenswerten römisch-katholischen Kirche S. Francesco, welches die erste Kirche der Franziskaner war, die außerhalb von Assisi erbaut wurde (1245). Im Jahr 1523 fand hier der berühmte Renaissancemaler Luca Signorelli, seine letzte Ruhe.

Links, rechts, und wieder links…

Inzwischen seid ihr mit den Steigungen der Gassen in Cortona vertraut, ihr spaziert auf der Via Giuseppe Maffei weiter bis ihr hart links in die Via Moneti abbiegen könnt. Ihr haltet euch rechts und seid bald in der Via S. Marco, die sich dann wieder teilt (T-Kreuzung). Ihr biegt rechts ab (und seid immer noch in der Via S. Marco) bis ihr links die Via S. Niccolò nehmt, die euch zur gleichnamigen Kirche führt.

Auch diese schöne, nur zu Fuß erreichbare Kapelle San Niccolò ist einen Besuch wert, nur leider ist sie nicht immer geöffnet, wenn sie geöffnet sein sollte. Ich drück die Daumen, dass ihr einen Blick hineinwerfen könnt!

Die kleine, aber sehenswerte Kirche S. Niccolò

Zurück auf der Via S. Niccolo folgt ihr der ersten Abzweigung links in die Via delle Santucce und lauft auf dieser weiter bergab bis zur Via S. Margherita. Ihr biegt rechts ab und landet wieder auf der Via Nazionale bzw. gegenüber der Piazza Garibaldi, dem Startpunkt unserer Tour. Welcome back!

Diese steile Gasse mündet in die Piazza Garibaldi

Jetzt habt ihr euch eine Belohnung verdient!

Die Geschmackspalette ändert sich täglich

Die Gelateria Dolce Vita findet ihr gleich am Eingang der Fussgängerzone auf der rechten Seite (Via Nazionale). Sie zählt zu den besten dieser Region.

Lust auf einen Aperitivo?

Die Bars und Cafés wechseln so schnell den Besitzer, es ist mir fast unmöglich, Empfehlungen auszusprechen.

Ich persönlich gehe gerne zum „Cacio Brillo“ auf der Piazza Signorelli im Zentrum der Altstadt, das Personal ist freundlich und die Drinks gut. Hier könnt ihr entspannt Italien geniessen (ich hoffe, es sind nicht allzu viele Touristen unterwegs).

Hunger?

Zu meinen persönlichen Empfehlungen zählen etwa:

♦︎das Ristorante Il Cacciatore, in der Via Roma, 11/13  – auch glutenfrei (mittags geöffnet 12.00 – 15.00)

http://www.ilcacciatorecortona.it/

♦︎die Trattoria Dardano, Via Dardano, 24 – (mittags geöffnet 11.45 – 15.00)

http://www.trattoriadardano.com/

♦︎die Osteria del Teatro, Via Giuseppe Maffei, 2 – (Mittwochs geschlossen, sonst 11.00 – 22.30)

http://www.osteria-del-teatro.it/

Bitte checkt unbedingt die Öffnungszeiten.

Ein besonderer Tipp

… ist die jedes Jahr stattfindende und sehr interessante Ausstellung „Cortona on the move“, ein internationales Festival für Fotografie und Video (9. Juli – 18. Oktober 2020). Nähere Infos findet ihr unter:

https://www.cortonaonthemove.com/