Was hier so alles wächst

Ein Teller mit Heilkräutern

Heilkräuter? Wildkräuter? Küchenkräuter? Oder doch nur Unkraut?

Rund um die Casa Lauretana kann man beim Spazieren eine Vielzahl von Kräutern entdecken, die dort wachsen. Nicht alles ist Unkraut! Von meinen beiden betagten, lieben Nachbarinnen habe ich gelernt, dass es sich dabei oft um Heil-, oder Wildkräuter handelt, die besonders früher oft in ihrer Küche landeten.

Buon Enrico (der „gute Heinrich“ – wilder Spinat)

(Ich bin noch auf der Suche nach einem schönen Foto…)

Kurioses

Es scheint, dass Heinrich IV. von Navarra der Bevölkerung seiner Stadt Zugang zu seinem Gartenpark gewährte, um sich von den dort angebauten Kräutern zu ernähren. Die Pflanze ist nach Heinrich IV. benannt, weil seine Untertanen ihm diese Pflanze zum Dank widmen wollten.

Definition

Der botanische Name des so genannten „Guten Heinrichs“ ist Chenopodium Bonus-Henricus. Es handelt sich um eine krautige, manchmal kriechende Pflanze, die sich vorbildlich verzweigt, obwohl sie nur eine durchschnittliche Höhe von 60 Zentimetern erreicht. 

Die Blätter dieser Pflanze sind charakteristisch, denn sie sind gewellt und haben die typische Form eines Pfeils, so dass sie auch sagittate oder astate genannt werden. Die Blätter sind mit einem sehr dichten Flaum bedeckt, der der Pflanze bei Berührung ein fast körniges Aussehen verleiht. Berührt man die Pflanze, bleiben die Finger lange klebrig. 

Die Blüten des Guten Heinrichs befinden sich in einer Ähre und variieren in ihrer Farbe, da sie manchmal rot und manchmal sehr hellgrün sind. 

Die Blütezeit findet zwischen Juli und September statt.

Anbau

Die Pflanze wächst wild in Gebirgs- und Vorgebirgsregionen in einer Höhe von etwa 2.000 Metern und bevorzugt stickstoffhaltige und gut gedüngte Böden, obwohl sie sich auch an andere Bodenarten anpasst. Sie ist häufig in Berggebieten zu finden, wo die Herden weiden und ihren Dung hinterlassen, der als organischer Dünger wirkt. In diesen Böden findet der Good King Henry seinen natürlichen Lebensraum, der mit dem der Brennnesselpflanze identisch ist, weshalb er oft in Verbindung mit dieser wächst. 

Dieses“Unkraut“ produziert etwa eine Million Samen pro Pflanze und bleibt 20-30 Jahre lang im Boden lebensfähig.

Die Bergregionen Italiens sind voll von Gutem Enrico, den man oft an Straßenrändern findet. In Deutschland gibt es keinen solchen Anbau.

Früher verwendete man den guten Enrico zum Färben der Haare und um Kupfertöpfe und -pfannen wieder zum Glänzen zu bringen.

Therapeutische Eigenschaften

Der gute Heinrich kann als Antianämikum bezeichnet werden, denn er versorgt den Körper mit vielen Vitaminen und Eisen. Seine therapeutischen Eigenschaften werden nach Studien von Heilpflanzenexperten neu bewertet, in der Vergangenheit fand er nie viel Beachtung und wurde ausschließlich zu Hause verwendet. Seit dem Altertum werden aus dieser Pflanze Präparate hergestellt, die Wunden oder starke Verbrennungen durch Sonnenbrand lindern. Einige Rezepte, die von Familie zu Familie weitergegeben wurden, werden auch heute noch verwendet.

Die Pflanze ist erweichend, abführend und wurmstichig. Die aufgegossenen Samen werden Kindern gegeben, da sie ein mildes Abführmittel sind, und die Blätter sind reich an Eisen, was sie für Menschen mit Anämie geeignet macht. 

Der gute Henry produziert ein Öl namens „Essenz von Chenopodium“, das Betalaine enthält.

Die frischen Blätter von Good Henry werden für Zahnzugänge oder für Geschwüre verwendet, aus denen eine eitrige Substanz austritt. Diese Anwendung wird jedoch nur dann empfohlen, wenn man man nicht anfällig für Nierensteine ist.

Verwendung in der Küche

♥︎♥︎♥︎ Umbrische Gnudi mit Buon Enrico ♥︎♥︎♥︎

Zutaten:

500-600 g Buon Enrico

1 Ei

100 g Parmesan gerieben

1 EL Semmelbrösel

Muskatnuss

200 g Ricotta

Rezept:

500/600 g Buon Enrico ernten, das Gemüse putzen, waschen und ausdrücken, in eigenem Wasser dünsten und beiseite stellen. Ein Ei in eine Schüssel schlagen und 100 g geriebenen Parmesankäse, einen Esslöffel Semmelbrösel, etwas Muskatnuss und 200 g Ricotta hinzufügen. Mischen Sie alles zusammen. Den Buon Enrico zerkleinern und mit der vorherigen Mischung vermischen. Wenn alles verdichtet ist, formt man einige Kugeln, bemehlt sie und wirft sie in kochendes Salzwasser. In ein paar Sekunden kommen die Gnudi an die Oberfläche, abtropfen lassen und mit Olivenöl und Salbei anrichten.

–> Selbstverständlich lässt sich der Buon Enrico mit jedem ähnlichen Gemüse (Spinat, Mangold, u.a.) ersetzen.


Was hier so alles vorbeikommt und -fliegt

Der Schlangenadler (lat. circaetus gallicus)

Ein relativ junger Schlangenadler

Gattung und Nahrung

Eigentlich sind Schlangenadler Zugvögel mit Winterquartier in Afrika – unsere Schlangenadler-Familie sieht man das ganze Jahr!

Sie zählen zur Gattung der Habichte, sind sehr gute Flieger trotz ihrer Größe und verfügen über eine ausgezeichnete Sehkraft.

Um die Mittagszeit schweben sie im Gleitflug, hoch am Himmel, über der Casa Lauretana; oft scheinen sie an einer Stelle stillzustehen, dabei rütteln sie mit den Schwingen und nutzen die sog. Termikwinde aus.

So halten sie Ausschau nach Nahrung: Im Sommer sind das Schlangen und Eidechsen, die im Stoßflug erbeutet werden; in den kühleren Jahreszeiten zählen auch kleine Vögel und Kleinsäuger dazu. Manchmal ist der Schlangenadler auch zu Fuss unterwegs, dann begnügt er sich mit Fröschen, Würmern oder Schnecken.

Aussehen

Bauch- und Brustbereich sind bei Männchen und Weibchen gleichermaßen von einer hellen gleichmäßigen Färbung, während die weiße Unterseite des Schlangenadlers eine unregelmäßige Bänderung aufweist. Die Handschwingen und Schwanzfedern sind dunkler. Besonders auffallend sind der dicke runde braune Kopf und der dunkle Hals. Weitere Merkmale sind  seine gelben Augen und der wie bei allen Adlern übliche kräftige Schnabel und die kräftigen Beine. Aufgrund ihres Äusseren werden Schlangenadler oft mit Bussarden verwechselt, obwohl diese wesentlich kleiner sind.

Zum Vergleich ein Bussard

Größe und Gewicht

Ein Schlangenadler mißt etwa 70 cm und kann eine Spannbreite von 160-180 cm erreichen. In der Regel ist das Weibchen größer und schwerer als das Männchen. Jungvögel erkennt man im Flug daran, dass ihre Unterseite heller und viel weniger quergebändert ist als bei den Altvögeln. Auch ihr Kopf ist heller.

Schlangenadler wiegen i.d.R. zwischen 1.100 g und 2.300 g.

Lebensraum

Schlangenadler mögen sonnige Gebirgszüge, Kulturlandschaften und Halbwüsten.

Balzzeit

Die Balz hiesiger Schlangenadler beginnt bereits im Januar und kann bis März dauern. Man erkennt es vor allem am Ruf der Raubvögel, der nun öfter zu hören ist – ein häufig mehrmals hintereinander ausgestossenes „jiii“ oder ein „kio“, meistens von den Männchen. Sie überbringen dann gerne dem Weibchen Brautgeschenke.

Brutverhalten und Aufzucht vom Jungvogel

Noch im Winter beginnen unsere Schlangenadler hier in Umbrien gemeinsam mit dem Nestbau (Reisig und Zweige). Das Nest wird, nachdem das Weibchen ein einzelnes großes, weißes Ei gelegt hat, während der 6 wöchigen Brutzeit ständig „renoviert“ und mit Grünzeug geschmückt. In den ersten Wochen brütet das Weibchen das Ei aus, später hilft auch das Männchen aus. In den circa 75 Tagen Nestlingszeit wird das Küken zunächst vom Weibchen gefüttert, später auch vom Männchen, auch nachdem der Jungvogel das Nest verlassen hat, wird er noch eine ganze Weile von den Eltern versorgt. Seine ersten Schlangen kann er schon mit 2 Wochen selbst erlegen.

Feinde

Leider zählt ausgerechnet der Mensch zu den größten Feinden des Schlangenadlers. Des Weiteren sind andere Adlersorten, der Wanderfalke, der Uhu und Rabenvögel zu nennen. Wir konnten schon öfter beobachten, dass sich Kolkraben mit ihnen anlegen, da diese häufig im Revier der Schlangenadler brüten.


Die Zwergohreule (lat. Otus scops)

Gut getarnt und relativ klein

Gattung und Aussehen

Es handelt sich um eine sehr kleine Eule mit Federohren, die einem im Verhältnis zur restlichen Körperdimension lang vorkommen. Zwergohreulen können ihre Ohren ganz anlegen, dann erscheint der Kopf rund.

Ihr Gefieder ist rindenfarbig, rostbraun bis hellgrau, wodurch die Eule optimal getarnt und kaum zu entdecken ist. Die Iris der Augen ist zitronengelb.

Manche Zwergohreulen fliegen im Winter bis nach Afrika, andere überwintern auch in wärmeren Ländern wie Italien, Griechenland u.a.

Die Zwergohreule ist vom Aussterben bedroht.

Nahrung

Die Zwergohreule Frist bevorzugt Insekten wie Grillen, Nachtschmetterlinge, Zikaden, Heuschrecken und Käfer, aber auch Regenwürmer, Spinnen und Asseln. Frösche, Kleinsäuger und Kleinvögel stehen eher selten auf dem Speiseplan. 

Größe und Gewicht

Eine Zwergohreule wird gewöhnlich etwa 20 cm lang und wiegt an die 75-95 Gramm (Weibchen sind schwerer als Männchen), ihre Flügelspannweite mißt etwa 53 – 63 mm.

Ruf

Um die Casa Lauretana hört man über mehrere Monate den Metronom-monotonen charakteristischen Reviergesang, der sich mit einem kräftigen „Tiu“ beschreiben läßt. Männchen singen manchmal die ganze Nacht. Ein wunderbares Konzert…

Lebensraum

Die Zwergohreule hält sich gerne in warmen und trockenen Gegenden auf, bevorzugt offene Landschaften wie z.B. Obstplantagen, Parks, Alleen und Randzonen lichter Laubwälder. 

Mit der Jagd beginnt die Zwergohreule meistens kurz nach Sonnenuntergang, bis auf eine 1-2 stündige Unterbrechung dauert sie die ganze Nacht an.

Vorkommen

Diese Eulensorte ist in den Mittelmeerländern, Nordwestafrika, Südosteuropa, Mittelasien, Irak, Iran, Afghanistan sowie in Rumänien, Ungarn, Österreich und in der Schweiz verbreitet.

Brutverhalten

Die Weibchen legen Mitte Mai bis Mitte Juni etwa 3-5 Eier bevorzugt in Höhlen von Laubbäumen, notfalls aber auch in Nistkästen oder in leerstehende Vogelnester. Während die Weibchen die Eier bebrüten – im Schnitt dauert das 24 Tage -, versorgt das Männchen es mit Nahrung. Wenn die Jungen geschlüpft sind, bleibt das Weibchen die ersten zwei Wochen in der Höhle und geht erst danach mit auf die Jagd. Die gemeinsame Versorgung der Eltern dauert circa 60 Tage.


Der Wiedehopf (ital. U-pu-pa)

Mahlzeit!

Aussehen

Der auffällige in Umbrien noch relativ weit verbreitete Wiedehopf (ital. U-pu-pa) ist mit seiner Punk ähnlichen Federkrone (die er nur bei der Landung aufrichtet) und seinem bunten Aussehen ein wahrer Blickfänger. Er gilt auch als Individualist. Er hat einen dunklen, 6 cm langen Schnabel, Kopf und Nacken sind orange-braun gefärbt, die ebenfalls orange-braunen Scheitelfedern sind an ihren Spitzen schwarz. Sein Rücken wie auch seine breiten Flügel sind schwarz-weiß gefächert, seine Schwanzfedern sind schwarz.

Mit seinen etwa 28 cm Größe ist er unwesentlich größer als der Buntspecht.

Nahrung

Auf seinem Speiseplan stehen ganz oben größere Insekten wie Grillen, Engerlinge, Käfer und Heuschrecken. Aber auch Spinnen, Eidechsen, Asseln und kleine Frösche stochert er mit seinem langen Schnabel aus dem Boden heraus. Dabei wackelt er stets mit dem Kopf.

Verhalten

Er gilt als Bodenbrüter, nutzt u.a. Steinhaufen, niedere Höhlen an Bäumen, Spechthöhlen, Nischen, Mauerspalten oder auch Nistkästen. Um sein Nest macht er kein großes Trara, manchmal tut es sogar nur eine kleine Mulde, in die die Eier gelegt werden.

Lebensraum

Der Upupa liebt offene, wärmeexponierte Landschaften, auch  Weinberge und Olivenplantagen, das erklärt seine Liebe zur Casa Lauretana.

Zugverhalten

Im Spätsommer zieht der Wiedehopf nach Afrika und scheut dabei keine langen Strecken, meist fliegt er allein, oft auch nachts. 

Anfang März kommt er wieder zurück.

Das perfekte Nest

Kurioses

Parrano ist ein italienisches Dorf mit weniger als 500 Einwohnern, einer kleinen (nicht zugänglichen) Burg und einer unbedeutenden Therme ausserhalb, in der Provinz Terni, im Süden Umbriens.

Der Begriff Parranum, mit den Varianten Poranum und Paranum, ist römischen Ursprungs und bedeutet „Upupa“, also Wiedehopf.

Wer dieses kleine, vom Aussterben bedrohte und viel Wald umgebene Dorf (vielleicht auf dem Weg nach Orvieto) bereist, wird schon unterwegs die vielen Wiedehopfe sehen.

Leider ist er auch in Italien vom Aussterben bedroht.


Geplant sind noch Beiträge zu weiteren Tieren, die man hier so um die Casa Lauretana bzw. im umbrisch-toskanischen Grenzgebiet entdecken kann: Stachelschwein, Wildschwein, Wolf und Fuchs, Wanderfalke, Schleiereule und ein Raubvogel namens „schwarzer Drache“, u.a.